Best of LinkedIn: Green ICT & Sustainable AI KW 32/ 33
Eine einzige Spannung beherrschte die Green-ICT-Diskussion der vergangenen zwei Wochen auf LinkedIn. Der Bedarf an KI-Rechenleistung wächst schneller, als saubere Energie- und Wasserinfrastruktur nachziehen kann, und die Branche ist offen gespalten: Auf der einen Seite stehen harte Belege für eine Umkehr bei der Dekarbonisierung, auf der anderen ebenso harte Belege für technische Lösungen, die tatsächlich funktionieren. Rechenzentren entstehen im Gigawattmaßstab, gleichzeitig auf Gasbasis, mit Holztragwerken, auf Wellenplattformen und mit geschlossenen Kühlkreisläufen. Regulierungsbehörden, Stadtverwaltungen und Forschende widersprechen dabei Aussagen, die zuvor unhinterfragt übernommen wurden. Parallel dazu befasste sich ein kleinerer, aber durchgehender Diskussionsstrang mit Nachhaltigkeit vollständig außerhalb der Rechenzentrumshalle: mit kreislauffähiger Hardware, Green Software Engineering und der Effizienz von KI.
Datum
August 21, 2026
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Methodik: Alle zwei Wochen sammeln wir die relevantesten LinkedIn-Beiträge zu ausgewählten Themen und verdichten sie zu einem Gesamtüberblick, ausschließlich auf Basis dieser Beiträge. Die einzelnen Beiträge dahinter finden sich hier: https://linktr.ee/thomasallgeyer. Viel Freude beim Lesen.

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Wer lieber zuhört: Unser Podcast fasst die wichtigsten Erkenntnisse zu Green ICT & Sustainable AI KW 32/ 33 zusammen:

Strom- und Netzstrategie

  • Der weltweite Strombedarf von Rechenzentren wird sich bis 2030 nahezu verdoppeln und treibt in den USA eine Renaissance der Kernkraft, bevor bis 2028 eine Lücke von voraussichtlich 45 Gigawatt entsteht.
  • Das Gaskraftwerk GW Ranch von Amazon in Texas dürfte 33 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ausstoßen, neunmal so viel wie der gesamte globale Scope-2-Fußabdruck von Amazon.
  • Texas beschränkt neue erneuerbare Anlagen und genehmigt zugleich Rechenzentrumslasten in fünffacher Höhe der Spitzenlast des Bundesstaats.
  • Australien rechnet damit, dass Rechenzentren bis 2040 auf 12 Prozent der nationalen Nachfrage kommen könnten, und behandelt abgeregelten Wind- und Solarstrom als Brennstoff statt als Grund zur Zurückhaltung.
  • Chinas Fünfjahresplan für Energie koppelt neue Rechencluster an Regionen mit hoher Abregelung erneuerbarer Energien und folgt damit dem australischen Ansatz.
  • Die mehr als 120 Rechenzentren in Frankfurt beziehen bereits 40 Prozent des städtischen Stroms und steuern bis 2037 auf 10 Prozent des deutschen Gesamtverbrauchs zu.
  • Der Überschuss von 6 Gigawatt bei Eskom in Südafrika ist ein Übertragungsengpass; nötig sind 14.500 Kilometer neue Hochspannungsleitungen im kommenden Jahrzehnt.

Kühlung und Wasserinfrastruktur

  • KI-Cluster überschreiten inzwischen 100 Kilowatt pro Rack und liegen damit über der Grenze von 10 bis 15 Kilowatt für Luftkühlung. Das erzwingt den Wechsel zur Flüssigkühlung.
  • Immersionskühlung nimmt bis zu 100 Prozent der Wärme auf und drückt den PUE unter 1,03, gegenüber 1,2 bis 1,7 bei luftgekühlten Anlagen.
  • Die flüssiggekühlte Rubin-Architektur von NVIDIA vermeidet den Wasserverbrauch vor Ort nahezu vollständig und spart geschätzt 4 Millionen Dollar pro Jahr und 50-Megawatt-Anlage.
  • Der 2,7 Gigawatt große Campus von Google in Wyoming ist so ausgelegt, dass er kein städtisches Wasser benötigt, und stützt sich auf geschlossene Kühlkreisläufe und eigene Brunnen.
  • Microsoft baute am Standort Quincy über zehn Jahre hinweg und für 31 Millionen Dollar eine Wasserwiederverwendung auf, die heute 138 Millionen Gallonen Grundwasser pro Jahr einspart.
  • Finnland schreibt die Abwärmenutzung ab 1 Megawatt inzwischen gesetzlich vor, die Umsetzungsfrist endet am 31. Dezember 2027.
  • Versorgungsplaner nennen zunehmend die Leitungs- und Pumpkapazität als eigentliche Wachstumsgrenze, nicht die Wasserverfügbarkeit.

Aussagen auf dem Prüfstand

  • Eine Sammlung von zwölf Behauptungen führt an, dass geschlossene Systeme Wasser weiterhin gegen schmutzigen Strom eintauschen und Kernkraft zu langsam und zu teuer ist, um Lieferketten zu dekarbonisieren.
  • Dieselbe Sammlung hält fest, dass Steuervergünstigungen zugunsten der Kommunen die Netzkosten häufig auf private Stromkunden verlagern.
  • Ein Rechenzentrum bei Florenz mit dem Anspruch „zero impact“ trägt weiterhin 4.000 bis 6.000 Tonnen CO2-Äquivalent pro Jahr, sobald die Lebenszyklusemissionen der Solaranlagen mitgerechnet werden.
  • Eine begutachtete Studie in Nature ergab, dass KI-getriebene Zugewinne bei fossilen Brennstoffen 3- bis 13-mal mehr CO2 verursachen als die Rechenzentren selbst.
  • Laut derselben Studie müssten erneuerbare Energien das Vier- bis Fünffache der Produktivitätsgewinne fossiler Brennstoffe erreichen, um überhaupt auszugleichen.
  • Ein durchschnittliches Google-Rechenzentrum verbraucht etwa 450.000 Gallonen Wasser am Tag, nahe an den 370.000 eines Golfplatzes in Palm Springs.
  • US-Golfplätze verbrauchten 2024 531 Milliarden Gallonen, dreißigmal so viel wie der direkte Wasserverbrauch aller US-Rechenzentren zusammen.

Auswirkungen vor Ort und Politik

  • Der Gouverneur von Pennsylvania untersagte Geheimhaltungsvereinbarungen bei Rechenzentrumsprojekten, um Transparenz gegenüber den Kommunen zu erzwingen.
  • Schottland verlangt inzwischen, dass Anträge über 50 Megawatt binnen sieben Tagen den Ministerien gemeldet werden, hat aber weiterhin keine Definition für ein grünes Rechenzentrum.
  • England nahm Rechenzentren dagegen im Januar 2026 in sein Regime für Nationally Significant Infrastructure Projects auf und schuf damit einen klareren nationalen Weg.
  • Ein neues White Paper rechnet vor, dass unveränderte Raten bei tödlichen Unfällen und Suiziden Zehntausende Todesfälle unter Beschäftigten verursachen könnten, während sich die US-Kapazität bis 2030 der Marke von mehr als 80 Gigawatt nähert.
  • Prineville in Oregon zeigt den Gegenfall: Investitionen in Rechenzentren führten eine Stadt mit hoher Arbeitslosigkeit in dauerhaftes Beschäftigungswachstum.
  • Eine Analyse führt an, dass Moratorien nach US-Vorbild die Auswirkungen lediglich verlagern, und stellt stattdessen das saubere Stromnetz Brasiliens als Vorteil für die Ansiedlung von KI-Infrastruktur heraus.

Kreislaufwirtschaft und Hardware-Lebenszyklus

  • Ein ITAD-Standort von Dell, der wöchentlich rund 3.000 Geräte bearbeitet, verkauft 65 Prozent weiter und recycelt den Rest über 26 Materialkategorien.
  • Recycelbare Materialien helfen nur dort, wo lokale Recyclingkapazität und Marktnachfrage tatsächlich vorhanden sind.
  • Das Climate-Controlled Diamondback Tape von IBM arbeitet bei bis zu 45 Grad Celsius und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit und benötigt keinen eigenen Bandraum.
  • Der Einsatz moderner Bandtechnik senkt die Speicherkosten um bis zu 84 Prozent und den Energieverbrauch um bis zu 97 Prozent gegenüber Festplatten.
  • Ein Rahmenwerk für den Geräteaustausch warnt, dass neuere, effizientere Beschleuniger dennoch die falsche Wahl sein können, wenn der abzulösende Gerätebestand nur zur Hälfte ausgelastet ist.

KI- und Software-Effizienz

  • Ein SAP-Audit stellte fest, dass ein ECC-System auf HANA 14-mal mehr CO2 verursacht und siebenmal mehr kostet als ein vergleichbares Db2-System; die Ursache liegt in frühen Architekturentscheidungen.
  • GreenPT liefert jetzt eine Komprimierung der Ausgabe auf API-Ebene aus, die die Tokenzahl um bis zu 70 Prozent senkt, bei gleichem Preis und gleichem CO2-Wert je Token.
  • Das zugrunde liegende Ponytail-Regelwerk verringert zudem das erzeugte Codevolumen um rund 54 Prozent, ohne Validierung und Sicherheit zu beeinträchtigen.
  • Agentenbasierte Programmieraufgaben verbrauchen laut Microsoft Research und Stanford etwa 1.000-mal mehr Token als ein üblicher Chatdialog.
  • Der Economic Index von Anthropic ergab, dass 97 Prozent der API-Nutzung inzwischen überwiegend automatisiertes, agentenbasiertes Verhalten zeigen.
  • Kürzere Prompts senken den Energieverbrauch von KI um 10 bis 30 Prozent, einfachere Verben wie „summarize“ statt „analyze“ um weitere 30 Prozent.
  • Mit dem Carbon-Aware SDK der Green Software Foundation lassen sich Zeitpunkt und Region eines Workloads nach der aktuellen CO2-Intensität verschieben.

Dank an Alyson Freeman, Arwel Owen, Navveen Balani, Simon R., ThankGod Obobo, Alex Orr, Andrew Sjoquist, Durval Jacintho, Joerg Wuttke, Mark Butcher, Matthias Haymoz, Michael Lesniak, Obinna Isiadinso, Petteri Nikki, Rachel Johnson Schiebout, Shaolei Ren, Steve Chavez, Tim Christophersen, Andy Davis, Carlos Sandoval Castro, Kristine Suber, Robert Keus, ADRIAN MUNDAY, Douglas Mouton, Jilali Mouale, Lexi Sydow, Lydia Sewell, Pascal Joly sowie Patrick Galey und an alle weiteren, die Erkenntnisse zu dieser Ausgabe beigetragen haben.

Die vollständige Liste der Beitragenden und Stimmen findet sich auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/pulse/best-linkedin-cw-32-33-green-ict-sustainable-ai-thomas-allgeyer-qwdhe/?trackingId=8EAJFdTL3A3BEN%2Bh%2B9U6wA%3D%3D

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Die Beiträge und Stimmen hinter dieser Zusammenfassung

Der RoundUp zu KW 32/ 33 mit dem Best of LinkedIn zu Green ICT & Sustainable AI:

→ 71 ausgewählte Beiträge mit Substanz

→ 35 neue Stimmen, die einen Blick wert sind

→ 1 Deep Dive zum Vertiefen